Archiv des Autors: Eisenhardt

Mein Bauch gehört mir!

Die täglichen Proteste gegen die Belagerung der pro familia Beratungsstelle durch fundamentalistische Christ*innen werden begleitet durch unser selbstgetextes Lied. Einfach mal reinhören, der Text lernt sich schnell, und beim nächsten Mal mitsingen! Wir sind kreativ und laut für unser Recht auf Selbstbestimmung über unsere Körper!

Mensch Scheffler!

Am 2. November wird im Club Cafe Nachtleben der Porno Rapper „King Orgasmus One“ das Auftaktkonzert zu seinem neuen Album „Welcome to the Hood“ geben. Das Bündnis Frankfurt für Frauenrechte hat in diesem Zusammenhang einen Offenen Brief an Ralf Scheffler, den Geschäftsführer der Nachtleben Gaststätten Betriebs GmbH gerichtet.

Offener Brief

Frankfurt, 7.10.2018

MENSCH SCHEFFLER!
Jahrzehntelang hast du in der „Kapp“ und im Nachtleben mit sicherem künstlerischen Geschmack dafür gesorgt, dass Generationen von Mädchen und Frauen in Frankfurt den perfekten Platz zum Abtanzen und Abhängen hatten. Nicht zuletzt deswegen dürfte deine Bude immer voll gewesen sein. Denn ‐ wo keine Frauen sind, ist auch kein Clubleben.
Und nicht zuletzt deswegen hatte das Frauenreferat sein 30 jähriges Jubiläum in der neuen Batschkapp gefeiert.
Und jetzt hast du diesen peinlichen Rapp Depp mit seinen fantasielosen, frauenverachtenden, gewaltverherrlichenden Texten ins Nachtleben geholt. „King Orgasmus One“, entlarvender kann ein Name nicht sein, für diesen Langweiler. Mehr als ein Orgasmus kann es wirklich nicht gewesen sein. Was für unglaublich dröge Texte!

MENSCH SCHEFFLER,
du willst doch nicht alles Ernstes behaupten, dass ein Song, der zu 80 % aus den Worten Ficken und Schwanz und Erniedrigung von Frauen besteht, Kunst ist?
Wir vom Bündnis Frankfurt für Frauenrechte sagen, das kann, ja das muss weg. Porno Rap muss ja nicht sexistisch und frauenverachtend sein. Er sollte schon gar nicht die kommerzielle, allgegenwärtige Darstellung von männlich heteronormativer Sexualität wiederholen und abfeiern, Sexualität also, die nur mit der Herabwürdigung und Gewalt über Frauen und wenigen Sexualpraktiken auskommt. Porno Rap könnte richtig geil sein, sexuell befreiend, ein politisches Statement auch für sexuelle Selbstbestimmung, für sexuelle Vielfalt. Das ist auch unser Anliegen.
Aber dieser Rap ist Frauenhasser‐ und kein Porno Rap. Und das halten wir für gefährlich. Was ist das nächste? Rassisten Rap, Schwulenhasser Rap, Judenhasser Rap? Alles Kunst, weil provokativ?

MENSCH SCHEFFLER,
du musst doch gemerkt haben, in welchen Zeiten wir leben. Wir kämpfen als Bündnis Frankfurt für Frauenrechte gegen christliche Fundamentalisten, die Macht über die Körper von Frauen haben wollen und das sind auch die Fantasien, die dein kleiner Rapper bedient. Wir haben es so satt, geile alte mächtige Männer zu ertragen, die ihre Angestellten für sexuell verfügbar halten und wir wollen auch keine Muttersöhnchen ertragen, die ihre sexuelle Frustration über frauenverachtende Texte öffentlich herausblöken.
Ja, wir haben gesehen, die Bude ist ausverkauft. Das zeigt aber nur, in was für ätzenden Zeiten wir leben. Willst du wirklich deinen Laden voll mit bierdrögem Volk haben, das dann angeheizt durch die Hasstexte raus auf die Konsti geht und das Leben draußen mit der kleinen Welt von „Orgi“ verwechselt? Das Nachtleben, der Place to be für Klemm‐AfD‐ler?
Wir haben gehört, dass du den Bub nicht rauswerfen willst. Das ist bitter, bitter für die Frankfurter Clubszene und für alle, die sich in Frankfurt für eine emanzipatorische, freie und gewaltfreie Gesellschaft einsetzen.

MENSCH SCHEFFLER,
es braucht jetzt ein Zeichen, damit die Mädchen und Frauen in dieser Stadt wieder mit einem guten Gefühl in die Batschkapp und das Nachtleben gehen können. Wir meinen: schau dir an, wer zu diesem Rapper ins Nachtleben kommt, hör hin, was er sagt und bitte: lade solche Typen nicht mehr ein.
Und: gib dem Bündnis Frankfurt für Frauenrechte das Nachtleben für eine feministische Clubnacht frei.

Mit feministischen Grüßen
für das Bündnis Frankfurt für Frauenrechte
Ulla auf der Heide, Beatrix Baumann und Brigitte Ott

Blick senken? Nein, Danke!

Seit Mittwoch kommen wieder täglich viele Unterstützer*innen in die Palmengartenstraße, um für den freien, sicheren un anonymen Zugang zur Beratungsstelle zu demonstrieren, der von fundamentalistischen Abtreibungsgegnern erneut für 40 Tage behindert wird. Heute waren wir mehr als 50. Die Vorstandssprecherin von ProFamilia Deutschland kam und hat gesprochen, Vertreterinnen von Care Revolution, Frauennotruf, Woman’s March, LIBS, GRÜNEN, FDP und das feministische Aktionscafe waren u.a. da, alle entschlossen, kreativ und fröhlich.
Als Protest gegen die Aussage des Rechtsamts „Frauen könnten ja den Blick senken, um der Ansprache durch die Plakate der Mahnwachen zu entgehen“ Tüten übergestülpt. Am Montag geht es weiter!

Stadtparlament votiert für 150 Meter – Schutzzone vor Pro Familia!

Die heutige Entscheidung der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung für eine 150 Meter-Schutzzone um Pro Familia ist ein toller Erfolg – unser Engagement hat gewirkt.
Wir danken allen unseren Unterstützer*innen und Aktiven.
Frankfurt ist stark für Frauenrechte.

Unser Ziel ist damit aber leider noch nicht erreicht. Der schöne Bericht in der Frankfurter Rundschau online erweckt falsche Erwartungen. Denn die Versammlungsbehörde der Stadt, der Ordnungsdezernent und der Oberbürgemeister, sind in ihren Entscheidungen nicht an die Beschlüsse der Stadtverordneten gebunden – auch wenn der heutige ein starkes politisches Signal ist.

Ordnungsdezernent und Oberbürgermeister verweigern weiter unter Berufung auf Rechtsgutachten die Verfügung von entsprechenden Auflagen gegenüber den Mahnwachen. Auch zu der Verlagerung der Mahnwachen auf den hinteren Teil des Platzes vor der Pro Familia kam es nicht, weil die Versammlungsbehörde ein Einsehen hatte, sondern nur, weil der bisherige Platz aufgrund früherer Kundgebungs-Anmeldungen von GRÜNEN und FDP schon beansprucht war.

Dass heißt: WIR MÜSSEN WEITER TÄGLICH PRÄSENZ AN DER PALMENGARTENSTRASSE ZEIGEN, um das Recht auf einen freien, unbeeinträchtigten und anonymen Zugang zu Schwangerschaftskonfliktberatung bei Pro Familia sicherzustellen und den politischen Druck aufrechtzuerhalten.

Wir kämpfen weiter für eine 150 Meter-Schutzzone um Pro Familia in Frankfurt und um allen anderen Beratungsstellen. Und wir kämpfen für deren Festlegung in den Hessischen Ausführungsbestimmungen zum Schwangerschaftskonfliktberatungsgesetz. Dafür brauchen wir weiterhin eure Unterstützung.

Das Interesse an den Frankfurter Ereignissen, den Mahnwachen und dem Widerstand ist riesengroß, bei Bürger*innen und Medien. Lasst uns diese Öffentlichkeit nutzen, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen

Für das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung und eine ergebnisoffene, wohlwollende, anonyme Schwangerschaftskonfliktberatung!
Für eine 150 Meter Schutzzone um Schwangerschaftsberatungsstellen!
Freier, unbeeinträchtigter und anonymer Zugang zu Beratung jetzt!

Kulturschaffende für Frauenrechte

Kulturschaffende in Frankfurt haben heute nicht nur gegen die Mahnwachen vor pro familia demonstriert, sondern auch ein Zeichen für die Abschaffung des Paragraphen 219a gesetzt und die Aktion von Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung unterstützt.